esb Rechtsanwälte

I. Was ist eigentlich eine “Domain”?

RA und Fachanwalt IT-Recht Dr. Jens Bücking, Stuttgart

 

Das der Kommunikation im Internet zugrunde liegende Übertragungsprotokoll TCP/IP verwendet ein numerisches Adressierungsschema.  Danach besteht eine IP-Adresse aus einer 32 Bit großen Zahl, die in Gestalt von vier durch Punkte („Dots“) voneinander getrennten 8-Bit-Gruppen des Bereichs 0 bis 255 dargestellt wird.

 

Da sich der Umgang mit numerischen Adressen für die Mehrheit der Anwender jedoch als schwierig erwies, wurde 1984 mit dem „Domain Name System“ (DNS) ein hierarchisches Namenssystem eingerichtet, welches die IP-Nummern in logische – und damit einprägsamere – Zahlen-/Satzzeichen-/Buchstabenkombinationen „übersetzt“.

 

Wenn der Nutzer nun einen Domainnamen wie z.B. www.kanzlei.de eingibt, wird diese Anfrage vom Server des Nutzers an einen „Nameserver“ übermittelt, bei dem der gesuchte Name als technische Adresse registriert sein könnte. Ist dies nicht der Fall, wird die Anfrage schließlich zu einem der großen Wurzelverzeichnisse, einem „Root-Nameserver“, weitergeleitet. Dieser ermittelt nun die dem Domainnamen zugeordnete IP-Adresse und eröffnet damit den Zugang zu dem angewählten Rechner.

Hierbei vollzieht sich die Namensauflösung von rechts nach links, beginnt jedoch immer an der Wurzel („Root“), also dem Punktzeichen („Dot“) „.“, um sich dann in absteigender hierarchischer Richtung entlang der Struktur

Hostname.(z. B.Third-Level-)Subdomain.(Second  Level-)Domain.Top-Level-Domain

fortzusetzen.

Der erste Teil der Buchstabenfolge gibt also den groben (regionalen, organisatorischen oder thematischen) Bereich an, gefolgt von – kennzeichenrechtlich interessanten – eigentlichen (Second Level-) Domain. Bei dieser Domain der zweiten hierarchischen Ebene handelt es sich also um ein Teilnetz, zu dem der adressierte Rechner gehört. Diese Struktur setzt sich in der nächsten Ebene der „Subdomains“ fort. In eine Rechneradresse können unterschiedlich viele Unterabschnitte (Subdomains) eingebunden sein.

 

Während ein Domainname unter derselben Top Level Domain nur einmal vergeben werden kann, besteht die Möglichkeit, unter verschiedenen Top Level Domains identische Domainnamen zu registrieren. Im Gegensatz zur Top Level Domain und den Second Level Domains, die zentral vergeben und registriert werden, können jedoch alle weiteren Subdomains frei und ohne vorherige Registrierung durch die jeweils höhere Domainebene zugeteilt werden. Ausgehend von der Second Level Domain kann der Anbieter also Untergliederungen auf hierarchisch niedrigeren Ebenen vornehmen und sein Angebot dadurch beliebig diversifizieren.

 

Soweit von der Zuteilung von und der Suche nach Domains im Adressraum Internet die Rede ist, betrifft dies stets allein die Second Level Domain. Die übrige Strukturierung des IP-Adressraums durch Subnetze sowie der Second Level Domain durch Einrichtung einer beliebigen Anzahl weiterer (Sub-) Domains steht zur Disposition des lokalen Netzwerkadministrators.

 

Das Internet eröffnet also einen „flachen“, eindimensionalen – und damit zwangsläufig konfliktbeladenen – Namensraum. Wenngleich es sich im technischen Sinne bei den Domains nicht um Namen oder Kennzeichen handelt, da sie nicht einem bestimmten Rechtsträger zugeordnet sind, sondern vielmehr die alphanumerisch „übersetzte“ Adresse eines Computers bezeichnen, ließe doch eine solche technische Betrachtungsweise die nicht zu übersehende Tatsache außer acht, dass der durchschnittliche Nutzer die Domain regelmäßig gedanklich mit dem Anbieter eines Web-Angebotes in Verbindung bringt.

 

Folgerichtig handelt es sich bei den Domainnamen in der Tat um namensähnliche Kennzeichen, denen – zumindest mittelbar – Namens- bzw. Kennzeichnungsfunktion zukommen kann.